Geschichten


Lust statt Frust


Sabine saß am Tresen und starrte mit ihren gläsernen Augen geradeaus in den Spiegel des Getränkeregals. Von dem was um sie herum passierte bekam sie so gut wie nichts mit. Sie war viel zu sehr mit ihren Gedanken um das 'Warum' beschäftigt. So bemerkte sie auch nicht, wie sich eine Frau neben sie setzte und sie eine Weile ansah. "Probleme?" fragte die Frau.

Sabine reagierte erst mit einiger Verzögerung. "Wie?" fragte sie zurück und drehte ganz langsam ihren Kopf. "Naja, du sitzt hier so ganz allein und starrst vor dich hin." Dann deutete die Frau auf das Glas, was vor Christina stand. "Und das ist wohl dein Problemlöser. Ist das Whiskey?"

"Whiskey?" fragte Sabine noch immer weit weg. "Äh, ja. Ich glaube." Die Frau musterte Sabine ein wenig. Sie sah sich vor allem Sabines Rückenpartie an, die ihr außerordentlich zu gefallen schien. "Du hast wohl Liebeskummer. Bist wohl sitzen gelassen worden. Mach dir nichts daraus, so wie du aussiehst, findest du schnell jemanden anderen." "Du hast leicht reden", meinte Sabine, die langsam aus ihrer Gedankenwelt zurück kam. "Es war meine große Liebe. Und da kommt so eine dämliche Kuh und schon ist alles aus." "Du glaubst nicht, wie oft mir das schon passiert ist", lachte die Frau. "Erst letzte Woche. Und nun? Ich lasse meinen Kopf nicht hängen. Irgendwann finde ich jemand, mit dem ich dann für immer zusammen bin." Dabei musterte die Frau Sabine erneut. "Du verstehst nicht", erklärte Sabine und sah der Frau jetzt direkt ins Gesicht. Dabei bemerkte Sabine, dass die Frau nicht viel älter als sie selbst war. Sie sah ausgesprochen hübsch aus. "Wir wurden überall als das Traumpaar bezeichnet. Acht Jahre war ich mit Wolfgang zusammen. Acht Jahre!"

Die Frau schluckte, als Sabine den Namen Wolfgang erwähnte. "Wolfgang? Tja, mit Männern hat man nur Scherereien. Am besten man spült sie mit einem Glas Whiskey hinunter und vergisst sie wieder." Die Frau nahm Sabines Glas und hielt es ihr hin. "Nur zu. Runter damit und dann lass uns über etwas Schöneres reden." Sabine zögerte, obwohl sie sich eingestehen musste, dass da schon etwas wahres dran war. Sie nahm das Glas entgegen und nippte ein wenig. "Nicht so zaghaft. Runter damit", forderte die Frau, hielt zwei Finger unter das Glas und hob es an. Schluck für Schluck rann der Whiskey Sabines Kehle hinunter. Da musste sie plötzlich absetzen und mächtig husten. Die Frau schlug sanft auf Sabines Rücken. "Ja, genau. Huste die Männer hinaus. Geht es dir jetzt besser?"

Durch das Husten schossen einige Tränen in Sabines Augen. Sie wischte sie schnell weg, hustete noch einmal nach und nickte dann der Frau lächelnd zu. "Ja, danke." "Prima. Tanzen wir ein wenig?" Diese Frage kam ganz überraschend. Sabine sah die Frau verwundert an, als ob sie ihr einen Mord gestanden hätte. "Tanzen? Wir?" "Klar, sieh dich doch mal um?" Sabine drehte sich um. In der Mitte des Lokals war tatsächlich so etwas wie eine Tanzfläche. Auf ihr tanzten, oder besser standen eng aneinander geschmiegt, zwei Paare. Es waren jeweils zwei Frauen. "Aber ...", meinte Sabine und sah sich weiter im Lokal um und entdeckte ausschließlich Frauen. Sie erblickte keinen einzigen Mann. "Richtig, du bist hier in besten Händen. Das hast du doch gewusst, oder?" Sabine erkannte erst jetzt, dass sie in ihrem Frust in einer Lesben-Bar gelandet war. In einer Ecke saßen zwei Frauen, die heftig miteinander schmusten. An anderen Tischen plauderten sie oder sahen sich nur tief in die Augen. Sabine kam sich plötzlich ganz seltsam vor. Und das lag nicht nur am genossenen Whiskey, der aber jetzt ebenfalls mächtig zuschlug.

"Was ist nun? Tanzen wir?" hakte die Frau nach, stand von ihrem Hocker auf und legte eine Hand an Sabines Hüfte. "Warum nicht", meinte Sabine und sprang von ihrem Sitz. Sie kam sich dabei zwar lächerlich vor, aber es würde auch nichts schaden. Es brachte sie vielleicht auf etwas andere Gedanken. Sie ließ sich von der Frau auf die Bühne führen. Doch so eng wie die anderen wollte sie nun doch nicht mit der Unbekannten tanzen. Sie hielt ein wenig Abstand, während sie sich im Rhythmus hin- und herbewegte. Die Frau drängte Sabine nicht. Doch sie ließ sie aber auch keine Sekunde aus den Augen. Sabine bemerkte das und ahnte, was die Frau von ihr wollte. Sie fühlte sich geschmeichelt, wusste aber nicht, was sie tun sollte. Die Frau war ihr nicht unsympathisch. Aber sie war auch nicht lesbisch.

In der Musikbox klickte es zweimal. Das Stück endete und es wurde eine neue Platte aufgelegt. Es war eine besonders zärtliche, romantische Weise, gespielt auf einer Gitarre. Da spürte Sabine, wie die Frau sie sanft an den Fingern berührte. Sabine spürte ein Zucken in ihren Fingern, dem ein warmes gleitendes Gefühl folgte. Für einen Moment hielt sie die Luft an. Nach und nach glitten die Finger an ihrer Hand hoch, erreichten ihren Arm, wo sie sanft über ihre Bluse strichen. Immer höher wanderten die Finger. Sabine sah in die Augen der Frau und erkannte darin ein Glitzern. Sie fühlte sich davon angetan und ließ es zu, dass die Frau einen Schritt auf sie zu machte. Die Frau kam immer näher und legte die andere Hand an ihre Hüfte. Sabine stand nun nur noch da und wartete ab. Währenddessen legte die Frau ihren Arm um Sabine und legte die andere Hand auf Sabines Wange. "Du bist sehr, sehr schön", erklärte die Frau. Sabine spürte den warmen Atem der Frau in ihrem Gesicht, während diese immer näher kam. Sie wusste genau, was die Frau wollte. Doch anstatt jetzt wieder Abstand zu gewinnen, machte Sabine selbst eine kleine Bewegung nach vorne. Da trafen sich ihre Lippen. Sabine schmolz sofort dahin. Die warmen, weichen Lippen auf ihren. Das zärtliche Drängen, die liebevolle Umarmung, es war genau das, wonach sie sich sehnte. Sie öffnete ihren Mund ein wenig und gewährte der fremden Zunge Einlass. Es war so weich, so unsagbar schön. Sabine schloss ihre Augen. Die Hand der Frau wanderte über Sabines Rücken hinunter zu ihrem Hintern. Da erschrak Sabine und riss ihre Augen auf.

"Entschuldige", meinte die Frau sofort. "Ich wollte dich nicht drängen." Sabine war etwas verwirrt, doch dann lächelte sie. "Nein, ich muss mich entschuldigen. Mach ruhig weiter. Es fühlt sich gut an. Darf ich auch bei dir?" Die Frau beantwortete diese Frage nicht, sondern legte ihre Lippen wieder auf Sabines Mund. Sabine legte nun ihre Hände ebenfalls auf den Körper der Frau und tastete sie etwas vor. Sie fühlte sich zwar noch etwas unwohl in dieser Rolle, aber diese Frau war im Moment das Schönste, was ihr hätte passieren können. Langsam ließ sie ihre Hände über den fremden Körper gleiten und spürte schnell, dass die Frau sehr empfänglich für solche Berührungen war. Besonders als Sabine es der Frau gleichtat und ihre Hand hinten in die Hose der Frau steckte, um dort die Kerbe zu erforschen, begannen die Herzen beider noch höher zu schlagen. Dabei dachte sie nicht nach, ob sie nun lesbisch ist oder nicht. Es war einfach nur schön und das wollte sie nun genießen.